
St. Margrethen - St. Gallen
Panoramastrecke vom Heldsberg zum Gallusplatz
Diese Etappe im äussersten Nordosten der Schweiz beginnt im Banne der Festungsanlagen Heldsberg aus dem zweiten Weltkrieg. Gut fahrbare Wald- und Flurwege und leichte Singletrails führen voller Abwechslungen durch schattenspendende Waldabschnitte und über Höhenrücken mit grandioser Aussicht auf den Bodensee. Nur wenige kurze, aber steile Anstiege lassen die Pulsfrequenz steigen. Die Strecke ist, abgesehen von ein paar Treppenstufen, problemlos fahrbar. Eine Etappe zum Geniessen und Verweilen!
Daten
Kondition: leicht
Distanz: 40 km
Höhendifferenz: ↑ 1340 hm, ↓ 1070 hm
Schieben/Tragen: ↑ 0 hm, ↓ 0 hm
Zeitbedarf: 3 ½ Std.
Technik: leicht, gut fahrbare Forst- und Flurwege und Singletrails
Wegbeschaffenheit: Singletrails 15%, Wege 80%, Asphalt 5%
Beste Jahreszeit:
JanFebMärzAprilMaiJuniJuliAugSeptOktNovDez
Hinweise: Fahrverbot im Mühleggtobel
Highlights: Aussicht vom Steinigen Tisch und vom Fünfländerblick
Sehenswert: Festung Heldsberg in St.Margrethen / Altstadt von St.Gallen mit Klosterkirche und Stiftsbibliothek
Einkehr: Rest. Fünfländerblick / Rest. Scheitlinsbüchel, St. Gallen
Übernachten: Grosses Angebot in St. Gallen unter www.st.gallen-bodensee.ch
Bilder
Karte
Bericht
Bei der ersten Steilstufe des Forstweges am Heldsberg müssen wir erst mal tief durchatmen. Im Rhythmus der Atemzüge gehen die Gedanken vage zu dem tief in der Bergflanke angelegten Labyrinth aus Gängen und Kavernen der Festung Heldsberg. 1938 geplant und mit starker Artillerie ausgerüstet, sollte sie einen Angriff über den Rhein, zwischen Bodensee und Montlingen verhindern. Heute sind die Festungsanlagen als Museum eingerichtet. Während ich darüber nachsinne, wie oft wir auf unsrer Reise wohl noch auf Verteidigungswerke aus verschiedenen Zeitepochen treffen würden, erreichen wir den gemütlichen Forstweg, der sich ohne Steigung im Wald oberhalb von St. Margrethen bis zum Fuchsloch hinzieht. Nun verbindet uns ein launiger Singletrail mit der nächsten Forststrasse.
Über dem Rebberg Burghalde reckt sich die Burgruine Grimmenstein zwischen den Baumwipfeln in den blauen Himmel. Sie wurde 1405 von den aufmüpfigen Appenzellern geschleift, jedoch 1412 als Raubritternest wieder aufgebaut. Nachdem diese unedlen Ritter ein Konstanzer Marktschiff auf dem Rhein ausgeraubt hatten, wurde die Burg von den erbosten Konstanzern 1416 zerstört und später als Steinbruch genutzt. Wir jedoch drücken die letzten Meter auf dem Fussweg durch den Rebberg hinauf zum mächtigen Gemäuer.
Auf dem schattigen Forstweg und später auf süffigen Singletrails kurven wir abwärts über den Hof und Sandbüchel in die Ebene zwischen Thal und Rheineck. Ab Buriet heisst es kurz aber steil durch den Wald hinauf schieben, bis wir das weniger steile Wiesengelände zum Steinigen Tisch hochkurbeln können. Belohnt werden wir mit einer fantastischen Aussicht über das Mündungsgebiet des alten Rheins, und am andern Bodenseeufer zeichnen sich die Ortschaften von Bregenz bis Meersburg ab.
Auf einem Wanderweg durch die saftige Wiese schauen wir nach einem erbosten Bauern um, vergebens. Der Trail zieht sich weiter dahin und entwickelt sich zu einem flowigen Downhill hinunter zur Martinsbrugg. Nun ist nochmals Fleissarbeit angesagt: Auf teils steilen Landwirtschafts- und Forstwegen kurbeln wir knapp 300 Meter hoch bis zum Kloster Notkersegg, dessen Ursprung sich zurückführen lässt auf eine im Jahre 1381 gestiftete Wohnstatt für drei Waldfrauen, welche ihr bescheidenes Leben in Kontemplation und Krankendienst führten.
Für uns wird es nun in aller Bescheidenheit höchste Zeit, den Durst zu löschen. Im Gartenrestaurant Scheitlinsbüchel offenbart sich eine magische Aussicht auf das Ziel unserer heutigen Etappe: Die Altstadt von St. Gallen, seit 1766 bewacht von den zwei monumentalen barocken Türmen der Kathedrale.
Ein Erfrischungsbad in den Drei Weihern ist uns leider in Ermangelung der nötigen Bekleidung verwehrt, dafür tauchen wir im wohltuenden Schatten den steilen Weg hinunter durch das Mühletobel und landen mit glühenden Bremsen just an jenem Ort, wo Gallus der Legende nach im Jahre 612 einem Bären befahl, Holz für sein Feuer zu suchen. Dieser gehorchte und Gallus liess sich als Einsiedler in dieser Schlucht mitten in der Wildnis nieder. Soviel zum Ursprung des heutigen Weltkulturerbes Kloster St. Gallen.
Wir bahnen uns einen Weg durch die vielen beeindruckten Touristen auf dem Klosterplatz und in den angrenzenden Altstadtgassen. Zufrieden mit dieser leichten ersten Einfahr-Etappe und neugierig auf kommende Erlebnisse geniessen wir die kühle Frische des verdienten Schützengartenbiers.