mtb-GrenzTrail.ch 02 St. Gallen – Stein am Rhein

02

St. Gallen - Stein am Rhein

Auf Schleichwegen durch den Thurgau und dem Untersee entlang

Diese sehr abwechslungsreiche Etappe führt durch die unterschiedlich ausgeprägten Landschaften des Thurgaus zur Bodenseestadt Konstanz und hoch über dem Untersee zum pittoresken mittelalterlichen Städtchen Stein am Rhein. Gut fahrbare Singletrails, Wald- und Flurwege durch Flusstobel und quer durch Obstpantagen sind für einen durchschnittlichen Biker ein wahres Vergnügen. Und trotzdem hat es diese Tour mit rund 90 Kilometern in sich. Eine lohnende Strecke mit erlesenen Orten zum Innehalten.


Daten

Kondition: mittel

Distanz: 90 km

Höhendifferenz: ↑ 1290 hm, ↓ 1520 hm

Schieben/Tragen: ↑ 0 hm, ↓ 0 hm

Zeitbedarf: 6 Std.

Technik: leicht, gut fahrbare Singletrails, Forst- und Flurwege

Wegbeschaffenheit: Singletrails 15%, Wege 75%, Asphalt 10%


Beste Jahreszeit:
JanFebMärzAprilMaiJuniJuliAugSeptOktNovDez

Hinweise: Fahrverbot auf dem Wanderweg zwischen Glarisegg und Mammern

Highlights: Singletrail durch das Sittertobel, Singletrail zwischen Glarisegg und Mammern, Konstanz – Triboltingen dem Seerhein entlang,

Sehenswert: Konstanz mit Hafen, Kathedrale und Altstadt / Drachenburg in Gottlieben / Stein am Rhein


Einkehr: Viele Möglichkeiten in Konstanz / Drachenburg Gottlieben / Restaurant Haidenhaus bei Salen / Gasthof zum Schiff, Mammern

Übernachten: Möglichkeiten in Stein am Rhein

Bilder

  • DSC04419 Der Sitter entlang
    DSC04419 Der Sitter entlang
  • DSC04421 Der Sitter entlang
    DSC04421 Der Sitter entlang
  • DSC04424 Der Sitter entlang
    DSC04424 Der Sitter entlang
  • DSC04425 Der Sitter entlang
    DSC04425 Der Sitter entlang
  • DSC04428 Schloss Hagenwil
    DSC04428 Schloss Hagenwil
  • DSC04429 Schloss Hagenwil
    DSC04429 Schloss Hagenwil
  • DSC04430 Über dem Bodensee
    DSC04430 Über dem Bodensee
  • DSC04432 Bei Güttingen, Bodensee
    DSC04432 Bei Güttingen, Bodensee
  • DSC04433 Grenze Kreuzlichen - Konstanz
    DSC04433 Grenze Kreuzlichen - Konstanz
  • DSC04435 Grenze Kreuzlichen - Konstanz
    DSC04435 Grenze Kreuzlichen - Konstanz
  • DSC04436 Drachenburg Gottlieben
    DSC04436 Drachenburg Gottlieben
  • Oberhalb Steckborn
    Oberhalb Steckborn
  • DSC04442 Vor Stein am Rhein
    DSC04442 Vor Stein am Rhein
  • DSC04443 Stein am Rhein
    DSC04443 Stein am Rhein

Karte

Bericht

Im morgendlichen Strom von Berufspendlern zwängen wir uns durch die Bahnhofunterführung, froh, dass vor uns eine in jeder Hinsicht abwechslungsreiche Etappe liegt, eine überzeugende Alternative zum grauen Büroalltag. In gemütlichem Einfahrtempo kurbeln wir den Asphalt hoch bis zur Kinderfestwiese auf dem Rosenberg, wo bereits Festzelte, Bänke und Tische für das Kinderfest bereit stehen, denn dieses soll heute nach langem Verschieben endlich stattfinden.

Ein letzter Blick zurück auf die Dächer der Altstadt und schon kurven wir auf einem lauschigen Singletrail hinunter in den morgenfeuchten Wald des Sittertobels. Was sich uns nun offenbart, lässt jedes Bikerherz aufhüpfen: Fast zehn Kilometer feinster Singletrail der Sitter entlang, unterbrochen von kurzen Abschnitten auf Landwirtschaftswegen und einem schweisstreibenden kurzen Aufstieg.

Nun folgt Thurgau pur: Mit komplizierter Routenwahl kurven wir kreuz und quer durch die sanften Hügel, mal auf einem feinen Pfad, ab und zu auf Asphaltstrecken, hauptsächlich jedoch auf bequemen Landwirtschaftswegen. Kleine verträumte Weiler säumen unseren Weg, der durch Obstplantagen, Getreidefelder und Viehweiden zirkelt. Kurz gönnen wir uns einen Fotostopp beim mittelalterlichen Wasserschloss Hagenwil. Bei Amriswil tauchen wir in den kühlenden Schatten des Waldes und werden bald von einer weiten Sicht über den Bodensee überrascht. Friedrichshafen und Meersburg schmiegen sich auf der gegenüberliegenden Seeseite ans Ufer und im Westen lassen sich die höher gelegenen Wohnquartiere der Stadt Konstanz ausmachen. Auf diese in der Windstille bleiern daliegende Wasserfläche werden wir heute auf dem weiten Weg immer wieder faszinierende Ausblicke haben.

Beim Sidelhof in der Nähe von Güttingen hat unser Hunger die bedrohliche Grenze erreicht, wo wir am liebsten ganze Einkaufskörbe voll mit den appetitanregenden und schön präsentierten Erzeugnissen im Hofladen aufgekauft hätten. Wir beschränken uns auf ein Körbchen glänzend schwarzer Kirschen, die wir später am Badestrand als Dessert zu unserem Lunch geniessen. Vorsorglich macht uns ein braungebrannter Dauerbadegast mit mahnendem Unterton auf die Bike-Verbotstafel aufmerksam, welche uns denn auch wirklich davon abhält, wie geplant dem lauschigen Uferspazierweg bis nach Kreuzlingen zu folgen. Bis Konstanz pedalen wir deshalb mit halbherziger Begeisterung auf der signalisierten Veloroute, die rund um den Bodensee führt. Unübersehbare Bike-Verbotstafeln bei jeder Abzweigung zum Ufer begleiten uns wie Mahnfinger bis nach Kreuzlingen.

Wo noch bis zur Jahrtausendwende ein hoher Maschendrahtzaun die Landesgrenze zwischen Kreuzlingen und Konstanz unüberwindbar machte, zeigen heute Kunstwerke den Verlauf der offenen Grenze. Ein Umweg durch die zugleich betriebsamen und beschaulichen Altstadtgassen lohnt sich ebenso wie der Abstecher zum Hafen mit dem inoffiziellen Wahrzeichen von Konstanz. Die neun Meter hohe Statue der Imperia, errichtet 1993 als eine in Beton gegossene Erinnerung an die weniger ruhmreichen Seiten des Konstanzer Konzils von 1414 bis 1418.

Wir lassen die unrühmlichen Geschichten hinter uns und treffen im Tägermoos bald auf ein feines schmales Weglein entlang dem Ufer des Seerheins. Ein kurzer Halt in Gottlieben lässt uns das mittelalterliche Ambiente dieser stattlichen und reich verzierten Riegelhäuser einatmen. Bei Triboltingen entschliessen wir uns für die Route über den Seerücken. Sanfte Forstwege, ab und zu ein Singletrail als Verbindung, die meiste Zeit begleitet vor einer faszinierenden Aussicht über den Untersee mit den Halbinseln Höri und Mettnau, lassen uns in die Pedalen treten. Bald schon suchen wir bei Glarisegg die Abzweigung zu einem süffigen Trail durch den Wald, hoch über dem Untersee: Ein Leckerbissen. Alle Müdigkeit und der Gedanke an die am Gaumen klebende Zunge und die leeren Bidons sind verflogen, als sich dieser Trail in seiner ganzen Eleganz entblösst: Drei Kilometer feinstes Bikeverbot-Vergnügen! Zu kurz, um wahr zu sein. Nur kurz klicken wir uns bei der Ruine Neuburg aus den Pedalen für einen Rundgang durch die Überreste der einst grössten Burganlage am Untersee, erbaut in der Mitte des 13. Jahrhunderts.

In Mammern wird es Zeit für Speis und Trank und den Austausch der Hochgefühle auf diesem Abschnitt, bevor wir die Etappe auf dem gutmütigen Kiesweg dem See entlang ausklingen lassen. Vorbei geht es an der Insel Werd mit dem Franziskaner Kloster. Hier verstarb im Jahre 759 Othmar, der erste Abt des Klosters St. Gallen, nachdem er aus politischen Gründen hierhin verbannt worden war.

Auf der Rheinbrücke halten wir kurz inne und lassen unseren Blick über die Dächer der Altstadt Stein am Rhein hinauf gleiten zur trutzigen Burg Hohenklingen, welche von ihrer Warte hoch über dem Wald das Städtchen bewacht. Für uns wird das die Anwärmstrecke auf der nächsten Etappe sein: 200 Höhenmeter mit erhabener Weitsicht.

Nun aber ist es Zeit, um auf dem Platz, umringt von den fantasievoll bemalten mittelalterlichen Häuserfronten inne zu halten und bei einem kühlen Schluck echten Schaffhauser Falkenbiers zu verweilen.

Downloads

 

direkt zum Download

Download abbrechen