mtb-GrenzTrail.ch 07 Le Petit Kohlberg – Saint-Ursanne

07

Le petit Kohlberg – Saint-Ursanne

Grenzschlängeln in der Ajoie

So kompliziert wie der Grenzverlauf im nordwestlichen Zipfel der Schweiz, der Ajoie, ist auch der Verlauf dieser Etappe. Auf versteckten Pfaden suchen wir den Weg möglichst nahe an der Grenze. In ständigem Auf und Ab ergeben sich doch ansehnliche Höhenmeter und Kilometer. Eine Etappe, die Lust auf noch mehr Singletrails macht.


Daten

Kondition: mittel

Distanz: 95 km

Höhendifferenz: ↑ 1680 hm, ↓ 1900 hm

Zeitbedarf: 7 Std.

Technik: leicht, gut fahrbare Singletrails, Forst- und Flurwege, einzelne ganz kurze Schiebepassagen

Wegbeschaffenheit: Singletrails 25%, Wege 60%, Asphalt 15%


Beste Jahreszeit:
JanFebMärzAprilMaiJuniJuliAugSeptOktNovDez

Highlights: verborgene Singletrails von Grenzstein zu Grenzstein

Sehenswert: Les Grottes de Réclère / Saint-Ursanne: Städtchen, Kloster und Stiftskirche mit Kreuzgang


Einkehr: Restaurants in Boncourt / Patisserie in Boncourt

Übernachten: Hotel de la Demi Lune Saint-Ursanne / weitere Hotels in Saint-Ursanne

Bilder

  • Bei Les Ebourbettes
    Bei Les Ebourbettes
  • Etang neuf bei Bonfol
    Etang neuf bei Bonfol
  • Etang neuf bei Bonfol
    Etang neuf bei Bonfol
  • Bei Beurnevesin
    Bei Beurnevesin
  • Nördlich von Montignez
    Nördlich von Montignez
  • Nördlich von Montignez
    Nördlich von Montignez
  • Bei Charmois, n von Grandfontaine
    Bei Charmois, n von Grandfontaine
  • Bei Charmois
    Bei Charmois
  • Westlich von Montancy
    Westlich von Montancy
  • Bei von Montancy
    Bei von Montancy
  • Ste Ursanne
    Ste Ursanne

Karte

Bericht

Der Wetterbericht verspricht wiederum wie gestern Temperaturen bis zu 37 Grad. Darum starten wir bereits im Morgengrauen, während im Hotel noch keine menschlichen Regungen vernehmbar sind. Das karge Frühstück ist für uns am Vorabend im Korridor bereitgestellt worden. Schon der erste Blick darauf lässt die Gewissheit aufkommen, dass es kaum den nötigen Energievorrat verspricht für die heutige Umrundung der Ajoie.

Nach dem kurzen asphaltierten Wegstück, das wir von gestern kennen, biegen wir in einen gemütlichen Forstweg ein. Bei les Ebourbettes treffen wir auf die ersten mit Flechten bewachsenen Grenzsteine, in welche noch der Berner Bär eingemeisselt ist, eine Erinnerung daran, dass das Gebiet des Kantons Jura seit dem Wiener Kongress von 1815 bis ins Jahr 1979 zum Kanton Bern gehörte. Wir folgen dieser Grenze in unmittelbarer Nähe, meist im Wald auf gut fahrbaren Forstwegen und kurzen Singletrail Abschnitten. Erst beim Étang du Milieu bei Bonfol machen wir in der beschaulichen Ruhe dieses Morgens Rast und füttern die Schwäne mit ein paar Brotkrumen. Diese Idylle lässt uns fast vergessen, dass Bonfol durch die Chemiemülldeponie, die kaum einen Kilometer weit entfernt liegt, in die Schlagzeilen gelangte. Die Basler Chemische Industrie liess zwischen 1961 und1976 über 100‘000 Tonnen hochgiftigen Chemiemüll in einer stillgelegten Tongrube endlagern. Nach knapp sechs Jahren Arbeit war im Jahre 2016 der Aushub und die Verbrennung von über 200‘000 Tonnen verschmutztem Material zur Sanierung der Deponie abgeschlossen

Bald biegen wir nach dem Grenzstein 125 in einen lauschigen Trail der Grenze entlang ein. Wir überqueren das Bahntrassee der einstigen Bahnverbindung, welche seit 1910 Bonfol mit dem von 1871 bis 1918 zum Deutschen Reich gehörenden Pfetterhouse verband. 1970 rumpelte hier der letzte Güterzug durch. Ein Abstecher zum Lehrpfad Kilometer Null, wo sich während dem ersten Weltkrieg die Armeen der Schweiz, Deutschlands und Frankreichs gegenüberstanden, lohnt sich für Geschichtsinteressierte

Nach Beurnevésin treffen wir wieder auf einen Grenztrail, dem wir bis fast nach Boncourt folgen. Die Grenzsteine sind unsere Wegweiser. Das magere Frühstück macht sich bemerkbar und wir füllen unsere Batterien in der Patisserie in Boncourt mit Mandelgipfeln auf. Auf bequemen Forstwegen lassen wir dem Zucker Zeit, sich in Pedalenenergie umzuwandeln. Die flowige Trailstrecke nach Grandfontaine holt unsere Konzentration wieder zurück und bald erreichen wir beim Grenzstein 430 den westlichsten Punkt der Ajoie-Etappe. Es folgt der gemütliche Aufstieg zu den Grotten von Réclère. Der anderthalb Kilometer lange Rundgang durch die Tropfsteinhöhle mit über 15 Meter hohen Stalagmiten versetzt den Besucher in eine bizarre Unterwelt. Wieder an der Sonne geht es weiter über Roche d’Or, bis wir wieder die Grenze erreichen. Nun folgen einige abwechslungsreiche Kilometer Aufstieg, mal auf Trails der Grenze entlang, mal auf Forst- und Flurwegen. Dann, vom Quotenpunkt 900, lassen wir den Fahrtwind in den Ohren sausen, hinunter nach Saint-Ursanne am Doubs.

Das malerische mittelalterliche Städtchen entwickelte sich an der Stelle, wo anfangs des siebten Jahrhunderts der Eremit Ursicinus, ein Gefährte des heiligen Kolumban, gewirkt hatte. Auch Gallus, auf den die Gründung der Stadt St. Gallen zurückgeht, war ein Gefährte Kolumbans. Zurück in die Gegenwart: Noch ein Foto auf der bekannten, fast 300 jährigen Steinbogenbrücke mit der Statue des Heiligen Nepomuk und den Fassaden des mittelalterlichen Städtchens im Abendlicht und dann bei einem verdienten Panaché abklatschen auf der Terrasse des Hotels Demi Lune.

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