mtb-GrenzTrail.ch 18 La Fouly – Valpelline

18

La Fouly –Valpelline

Auf einsamen Bergpfaden zum Grossen St. Bernhard und auf historischen Wegen hoch über dem Valle d‘Aosta

Eine Etappe, die alles bietet: Gemächliche Aufstiege, knochenharte Tragestrecken, knifflige Downhills, gemächliche Forstwege und immer eine überwältigende Aussicht – und Einsamkeit. Und nicht zuletzt endlose feine Wege und Trails den Ru entlang, wie die alten Wasserkanäle hier genannt werden. Eine Strecke für gute Biker, die eine Herausforderung suchen.


Daten

Kondition: anspruchsvoll

Distanz: 53 km

Höhendifferenz: ↑ 1950 hm, ↓ 2600 hm

Schieben/Tragen: ↑ 800 hm, ↓ 150 hm

Zeitbedarf: 6 ½ Std.

Technik: mittel bis anspruchsvoll, gut fahrbare Forst- und Flurwege und Singeltrails, zum Teil jedoch knifflig.

Wegbeschaffenheit: Singletrails 50%, Wege 50%, Asphalt >5%


Beste Jahreszeit:
JanFebMärzAprilMaiJuniJuliAugSeptOktNovDez

Highlights: Singletrails zwischen Grossem St. Bernhard und Étroubles / den Wasserkanälen (Ru) entlang

Sehenswert: Museum auf dem Grossen St. Bernhard / Festungsanlage Plan Puitz


Einkehr: Bar Ristaurante Du Lac am Lago del Gran San Bernardo / Auberge de l‘Hospice, Grosser St. Bernhard, dann bis Valpelline keine Verpflegungsmöglichkeit mehr

Übernachten: Le Lievre Amoureux / Le Petit Relais / La Maison de Franco in Valpelline

Bilder

  • Aufstieg unterhalb der Lacs de Fenètre
    Aufstieg unterhalb der Lacs de Fenètre
  • Punkt 2467
    Punkt 2467
  • Lac de Fenètre mit Fenètre e Ferret
    Lac de Fenètre mit Fenètre e Ferret
  • Fenètre de Ferret
    Fenètre de Ferret
  • Römerweg am  Gd. St. Bernard
    Römerweg am Gd. St. Bernard
  • Grosser St. Bernhard
    Grosser St. Bernhard
  • Höhenweg Richtung Etroubles
    Höhenweg Richtung Etroubles
  • Höhenweg Richtung Etroubles
    Höhenweg Richtung Etroubles
  • Aufstieg zur Plan Puitz
    Aufstieg zur Plan Puitz
  • Abfahrt Richtung Etroubles
    Abfahrt Richtung Etroubles
  • Der Rou entlang
    Der Rou entlang
  • Höhenweg der Rou entlang
    Höhenweg der Rou entlang
  • Ru de By
    Ru de By
  • 27 Ru de By mit Fenètre de Durand
    27 Ru de By mit Fenètre de Durand
  • Abfahrt nach Vaud
    Abfahrt nach Vaud
  • Trail oberhalb Valpelline
    Trail oberhalb Valpelline
  • Semon
    Semon

Karte

Bericht

Bei allen bisherigen Etappen waren wir meistens allein beim Frühstück. Heute Morgen jedoch herrscht im ganzen Hotel schon früh Aufbruchstimmung, denn die Wandergruppen wollen sich zeitig auf ihre Wege machen.

Wir könnten auf dem Schotterweg auf der anderen Bachseite bis zum Weiler Ferret hochkurbeln, wählen aber für einmal die gemütlichere Variante. Auf der Strasse rollen wir der Dranse entlang aufwärts. Bald endet der Asphalt und der Fahrweg steigt steiler an hinauf zur Alp Plan de la Chaux auf 2040 Metern. Immer wieder blicken wir aus dem Schatten hinauf in die Runde zu den schroffen Graten, den gezackten Gipfeln und den Schneefelder, welche im der Morgensonne leuchten. Unterwegs klärt uns ein bärtiger Älpler mit fragendem Bilck auf, dass wir auf dem falschen Weg seien zum Col de Ferret. Wir hätten weiter unten abzweigen müssen. Unsere Antwort, dass wir nicht zum Col de Ferret sondern zum Fenètre de Ferret unterwegs seien, quittiert er mit vielsagendem Kopfschütteln. Wir ahnen, dass sich bewahrheiten würde, was wir beim Planen befürchtet hatten: 700 Höhenmeter Schieben und Buckeln.

Bei der Alp Plan de la Chaux ist der Fahrspass vorbei. Ein ruppiger Bergpfad zieht sich den Hang entlang. Kurze Strecken kämpfen wir in den Pedalen, den Rest schieben und tragen wir, teilweise über Felsen kletternd. Endlich stehen wir auf einer lieblichen Hochebene und steigen freudig in den Sattel, um die letzten Meter bis zum Lac de Fenètre über die Weide zu gleiten.

Während wir schweigend an unseren Getreideriegeln knabbern, gleitet der Blick hinüber an den Horizont, wo wir in weiter Ferne das verblockte Fenètre de Ferret ausmachen. Wie abgesprochen schweigen wir, um uns nicht gegenseitig die letzte Motivation zu rauben. Wir versuchen auch die philosophischen Fragen nach dem Sinn unseres Unterfangens zu verdrängen und deren Beantwortung auf den Abend zu verschieben, wenn wir alles überstanden haben würden.

Zu unserem Erstaunen erweist sich der erste Teil als fahrbar, wenn auch mit voller Kraft. Dann ist wieder Schieben angesagt. Der Anblick der drei Lacs de Fenètre, in deren kristallklarem Wasser sich die wildschöne Landschaft spiegelt, verhilft uns dazu, dieser Schieberei doch noch etwas Schönes abzugewinnen. Schneller als befürchtet sitzen wir dann schon auf dem Grenzstein Nummer 12, welcher mitten im Pass an prominenter Stelle platziert ist.

Der verblockte Downhill über 350 Höhenmeter hinunter zur Passstrasse des Grossen St. Bernhard fordert unsere Reserven an Technik und Konzentration heraus. Mehrmals geben wir auf und tragen das Bike über abschüssige Stellen hinunter. Wir verzichten auf den geplanten kurzen Abstecher über die Grenze zum ehrwürdigen Hospiz auf der Passhöhe. Der Heilige Bernhard von Aosta hatte hier bereits um 1050 ein Hospiz gegründet. Der berühmte Bernhardinerhund Barry soll zwischen 1800 und 1840 über vierzig Menschen das Leben gerettet haben.

Zurück in der Gegenwart stechen wir auf dem ehemaligen, süffig zu fahrenden Saum- und Pilgerweg über die Alpweiden hinunter, kreuzen zweimal die Passstrasse und biegen in den Höhenweg ein, welcher sich mit wenig Höhenunterschied der Bergflanke entlang talauswärts zieht. Wir erleben ein paar Kilometer echten Bikegenuss. Im Wald oberhalb St.Rémy wird der Pfad ruppiger, wir müssen schieben und das Bike über 100 Höhenmeter hinauf buckeln, zuletzt beschwerlich über Treppen durch eine enge steile Kluft. Dann stehen wir auf der Plan Puitz. Tunnels und Festungsanlagen zeugen davon, dass dieser strategisch gut gelegene Ort während dem ersten und zweiten Weltkrieg als Artilleriefestung genutzt wurde.

Wir rauschen nun bei gemächlichem Gefälle auf dem feinen Waldweg hinunter Richtung Étruobles. Kurz oberhalb Éternon zweigen wir in den Fahrweg ein, der linkerhand steil den lichten Wald empor führt. Nach rund hundert Höhenmetern haben wir den verlockenden Trail erreicht, der gegen drei Kilometer fast horizontal der einstigen Ru folgt. Das begehrte Wasser sprudelt nun in eine Leitung eigezwängt unter dem Fahrweg. Wir haben Zeit darüber nachzudenken, warum hier im oberen Valle d’Aosta die Orts- und Flurnamen auf der Karte fast ausnahmslos französischen Ursprungs sind. Wie in den anderen Teilen des Aostatals sprachen die Einwohner hier einen franko-provenzalischen Dialekt, denn seit 1032 gehörte das Aostatal zum französischsprachigen Hause Savoyen. Seit der Entstehung des Königreichs Italien 1861 ist das Aostatal italienisch. Während der Faschistenzeit fand eine durchgreifende Italienisierung statt. Heute sind Italienisch und Französisch offizielle Amtssprachen. Die meisten Bewohner sprechen jedoch italienisch. Nur noch gut 15 % der Bevölkerung haben den französischen Dialekt als Muttersprache. 

Weiter hinten im Vallon de Menovy verlassen wir die Ru, folgen einem Pfad hinunter zum Fahrweg und hinüber auf die andere Talseite. Hier offenbart sich uns ein gediegener Fahrweg, wieder auf einer eingedohlten Ru mit leichtem Gefälle zu den Wiesen am Sonnenhang oberhalb von Ville, welche dank dem begehrten Wasser gutes Gras gedeihen lassen. Wir treten kräftig in die Pedale und das Sausen des Fahrwindes wird nur ab und zu unterbrochen durch das Gezeter eines aufgeschreckten Vogel.

Ein letzter Anstieg auf dem gut fahrbaren Alpsträsschen bringt und zu einem weiteren Trail-Höhepunkt des heutigen Tages: Die Rou de By, welche als gurgelndes Bächlein Wasser aus dem hintersten Winkel des Tales hinaus zu den Wiesen oberhalb von Doues führt. Wir schlängeln uns durch den Wald dem Bächlein nach auf einem feinen Trail, kaum breiter als ein Handtuch und fast parallel zu den Höhenlinien. Dann lichtet sich der Wald und wir erhaschen einen Blick auf das Fenêtre de Durand, das schon lange auf unserer Tourenliste steht, und jetzt sich nochmals gedulden muss.

Nach knapp fünf Kilometern bestem Bikevergnügen zweigen wir bei Togne in den Fahrweg ein, welcher durch den steilen Wald hinunter nach Vaud führt.  Anfänglich gut fahrbar wird der Weg immer steiler. Der Rundkies auf dem harten Untergrundzwingt uns zu voller Konzentration. Bald sind die unzähligen extrem steilen Kurven mit einem Asphaltbelag versehen und der Downhill gestaltet sich freundlicher. Die letzten hundert Höhenmeter geniessen wir auf dem alten Saumweg, der leider ziemlich verwachsen ist und einige Schrammen von Dornenranken hinterlässt.

Nun folgen wir in leichtem Trab Tal auswärts, zuerst auf Asphalt, dann auf einem Feldweg. Als Sahne auf dem Kuchen erweist sich der erdige Trail der Rou entlang bis oberhalb Semon. Die am Sonnenhang aufsteigende Hitze des Nachmittags und die knorrigen Föhren lassen nach dem kühlen Wind in der Höhe ein mediterranees Gefühl aufkommen. Ein Kurzer Downhill und wir zweigen ab zum Hotel „Le lievre amoureux“. Im parkähnlichen Garten lassen wir uns Apéro-Häppchen servieren und strecken uns mit einem Glas Weisswein im Liegestuhl aus. Was der heutige anstrengende Tag uns doch für Herrlichkeiten beschert hat!

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