mtb-GrenzTrail.ch 23 Rifugio Pastore – Domodossola

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Rifugio Pastore – Domodossola

Auf den Spuren der Walser ins Valle Ossola

Eine grossartige Biketour in wilder Berglandschaft führt uns auf einem Walserweg über den alten Pass im Herzen der Walsersiedlungen am Südfuss des Monte Rosa. Nach langen Tagen in der einsamen Bergwelt fühlen wir uns in Domodossola wie in einer Grossstadt. Die Tour ist nicht zu unterschätzen. Ein langer Aufstieg mit Schieben und Schleppen sowie eine knifflige Abfahrt mit Schiebestrecken machen sie zu einer echten Herausforderung.


Daten

Kondition: mittel bis anspruchsvoll

Distanz: 65 km

Höhendifferenz: ↑ 1300 hm, ↓ 2630 hm

Schieben/Tragen: ↑ 1000 hm, ↓ 300 hm

Zeitbedarf: 7 Std.

Technik: anspruchsvoll bis schwer, steiler zum Teil verfallenen Saumpfad und ein verblockter Singletrail

Wegbeschaffenheit: Singletrails 30%, Wege <5%, Asphalt 65%


Beste Jahreszeit:
JanFebMärzAprilMaiJuniJuliAugSeptOktNovDez

Hinweise: Am Wochenende und während der Ferragosto sehr viel Verkehr auf der Strasse nach Macugnaga

Highlights: Saumpfad über den Türlerpass

Sehenswert: Gipfelpanorama über Macugnaga / Oratorio Monte Calvario oberhalb der Altstadt / Altstadt von Domodossola


Einkehr: Restaurants in Macugnaga, etwas abseits der Route, sonst keine Einkehrmöglichkeiten.

Übernachten: Mehrere Hotels in Domodossola, empfehlenswert: Hotel Eurossola

Bilder

  • Aufstieg zum Turlo
    Aufstieg zum Turlo
  • Aufstieg zum Turlo
    Aufstieg zum Turlo
  • Aufstieg zum Turlo
    Aufstieg zum Turlo
  • Passo del Turlo
    Passo del Turlo
  • Abfahrt vom Turlo
    Abfahrt vom Turlo
  • Abfahrt vom Turlo
    Abfahrt vom Turlo
  • Abfahrt vom Turlo
    Abfahrt vom Turlo
  • Abfahrt vom Turlo
    Abfahrt vom Turlo
  • Abfahrt vom Turlo
    Abfahrt vom Turlo
  • Abfahrt vom Turlo
    Abfahrt vom Turlo
  • Lago Quarazza, Blick zurück zum Turlo
    Lago Quarazza, Blick zurück zum Turlo
  • Alter Saumpfad über dem Tal vor Domodossola
    Alter Saumpfad über dem Tal vor Domodossola
  • 25 Domodossola
    25 Domodossola

Karte

Bericht

Nach einer erstaunlich ruhigen Nacht im gut belegten Rifugio sind wir fit für neue Abenteuer. Es geht gleich in die Waden. Schon nach wenigen hundert Metern wird der Waldpfad so steil, dass nicht mehr ans Fahren zu denken ist. Nun heisst es, die rund 1000 Höhenmeter auf etwa sechs Kilometer Distanz tragend und schiebend zu bewältigen, in der Hoffnung auf einige gutmütige Stellen, die uns ermuntern in die Pedale zu klicken.

Über der Waldgrenze wird der Fussweg flacher und führt eine Weile genüsslich dem Hang entlang. Dann, bei der Alpe Faller, beginnt der einst sauber gemauerte und mit Natursteinen gepflästerte Weg, den die Alpini vor dem ersten Weltkrieg dem alten Walserweg folgend erstellt hatten. Damals für Saumtiere angelegt, wird er für uns auf den hochspezialisierten Bikes doch schnell zur Überforderung. Er ist so steil, dass wir nach Atem ringen, und immer wieder zwingt uns lockeres Geröll zum Schieben. Bald geben wir den Gedanken ans Fahren gänzlich auf und geben uns ergeben dem Hochschleppen des Bikes hin.

Der Saumweg windet sich in spektakulären Serpentinen den Hang empor, ist teilweise kühn an den Hang gelehnt und überquert Blockhalden in geschickt angelegten Kehren. Wir können nur staunen ob dem kunstvoll angelegten Weg, der mehr als ein Jahrhundert in weiten Teilen noch einigermassen erhalten ist.

Endlich, nach guten fast 1000 Höhenmetern Schieben und Buckeln erreichen wir etwas ausgezehrt den Colle del Turlo und werden von einer Wandergruppe argwöhnisch begutachtet. Wir können nur erahnen, dass sie im Geiste unser Erscheinen mit Redewendungen wie „nicht alle Tassen im Schrank haben“ in Verbindung bringen. Eine spektakuläre Aussicht auf dem engen Pass entschädigt uns für unsere Mühsal und der frisch in Stand gestellte Weg auf er anderen Seite verspricht herausfordernden Bikespass.

Wir setzen uns auf die Steinbank und geniessen die wohlverdienten Köstlichkeiten aus dem Proviantsäcklein. Eine Bronzetafel erinnert an ein Treffen von Walsern von nördlich und südlich des Monte Rosa hier oben im Jahre 1970.

Die Abfahrt hält, was sie versprach, verlangt jedoch volle Konzentration. Bis auf eine Höhe von etwa 2000 Metern bei der Alpe Schena ist der Weg fahrbar. Dann beginnt eine knifflige Partie. Der Weg windet sich in Serpentinen steil durch die Erlenstauden hinunter, die zum Teil verfallene Pflästerung besteht aus recht groben Steinblöcken. Oft steigen wir ab, um das Risiko eines Sturzes zu verhindern. Wir erreichen den Talgrund, in der Hoffnung auf einen fahrbaren Weg. Jedoch auch die nächsten zwei Kilometer sind stark verblockt und schwierig bis gar nicht zu fahren, obwohl der Weg nur wenig Gefälle aufweist.

Erst bei den verfallenen Gebäuden einer alten Goldmine beginnt ein gut fahrbarer Alpweg. Endlich in den Sattel und die Zügel schleifen lassen! Am Lago delle Fate machen wir kurz Pause und saugen die letzten Tropfen aus unseren Bidons. Bei Isella gelangen wir auf die Strasse, welche vom Valle Ossola hinaufführt zum Ferienort Macugnaga.

Der Rest bis Domodossola ist schnell erzählt. 30 Kilometer Asphalt mit 950 Höhenmetern Gefälle bis ins Valle d’Ossola. Die Fahrt ist nervenaufreibend. Heute ist Sonntag und der Rückreiseverkehr von Macugnaga ist an diesem späten Nachmittag wohl genau auf dem Höhepunkt.

Möglichst auf Nebenstrassen bringen wir die verbleibenden fünfzehn Kilometer bis Domodossola hinter uns. Kurz vor dem Ziel gelangen wir über einen steilen Maultierpfad zu einem Strässchen, das über den Rebbergen zum Oratorio Monte Calvario führt. Wir sind ziemlich ausgelaugt, und die Lust, die Fresken zu bestaunen, hält sich in sehr engen Grenzen. Also hüpfen wir die Stufen des breiten, mit Kieseln gepflästerten Stationenwegs hinunter und befinden uns bald im alten Zentrum von Domodossola. Vor einer Bar lassen wir uns in die Sessel sinken und kühlen unsere staubigen Kehlen mit einem langersehnet und wohlverdienten erfrischenden Bier.

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