mtb-GrenzTrail.ch 28 Capanna Maria Luisa – Locarno

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Capanna Maria Luisa – Locarno

Von wilden Gebirgspfaden zu den Palmen am Lago Maggiore

Eine herausfordernde Etappe. Hiking auf einem rauen Gebirgspfad führt hinauf zu einem wilden Gebirgspass. Als Belohnung folgen 2200 Höhenmeter hinunter zur Piazza in Locarno.


Daten

Kondition: anspruchsvoll

Distanz: 90 km

Höhendifferenz: ↑ 1250 hm, ↓ 3200 hm

Schieben/Tragen: ↑ 650 hm, ↓ 50 hm

Zeitbedarf: 7 Std.

Technik: mittel bis anspruchsvoll

Wegbeschaffenheit: Singletrails 20%, Wege 30%, Asphalt 50%


Beste Jahreszeit:
JanFebMärzAprilMaiJuniJuliAugSeptOktNovDez

Highlights: Knifflige Trails im Valle Bedretto

Sehenswert: Seen am Passo del Narèt


Einkehr: In den Ortschaften zwischen Fusio und Locarno

Übernachten: Viele Möglichkeiten in Locarno

Bilder

  • Lago Toggia
    Lago Toggia
  • Fundamente des Wagristoratore
    Fundamente des Wagristoratore
  • Passo San Giacomo
    Passo San Giacomo
  • Passo San Giacomo
    Passo San Giacomo
  • Passo San Giacomo
    Passo San Giacomo
  • Abfahrt Passo San Giacomo
    Abfahrt Passo San Giacomo
  • Aufstieg Passo del Naret, Alpe di Cristallina
    Aufstieg Passo del Naret, Alpe di Cristallina
  • Aufstieg Passo del Naret
    Aufstieg Passo del Naret
  • Am Passo del Naret
    Am Passo del Naret
  • Passo del Naret
    Passo del Naret
  • Passo del Naret, Lago del Naret
    Passo del Naret, Lago del Naret
  • Abfahrt nach Fusio, Lago Superiore
    Abfahrt nach Fusio, Lago Superiore
  • Ponte Brolla
    Ponte Brolla
  • Locarno
    Locarno

Karte

Bericht

Der wolkenverhangene Himmel und der bissige Wind lassen uns nicht von der heutigen Etappe abhalten. Auf gutem Fahrweg erreichen wir dem Lago di Toccia entlang bald die Ebene des Passo San Giaccomo. Kurz vor dem Pass stehen rechts des Fahrweges zwei Reihen meterhohe Betonpfeiler unnütz in der Alpweide. Nach dem Bau der Fahrstrasse in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts auf Anordniung Mussolinis wurden von einem Italienischen Architekten zwei Eisenbahnwaggons auf den Säulen platziert. Das sogenannte Wagrisoratore diente bis zum zweiten Weltkrieg als Restaurant und war ein beliebtes Ziel für Automobiltouren. Für die Schweiz wurde diese Strasse während dem 2. Weltkrieg jedoch als mögliche Angriffsroute von italienischer Seite her eingestuft.

Auf der sanften Höhe des Passo San Giacomo endet der Fahrweg abrupt. Auf der Schweizer Seite empfängt uns ein meist gut fahrbarer Wanderweg und wir zirkeln hinunter zur Kapelle San Nicolao. Hier befand sich einst das Hospiz Val d’Olgia, einer Zwischenstation im mittelalterlichen Saumverkehr über den Passo San Giacomo und weiter über den Gotthard.

Unterhalb der Bunkeranlagen aus der Zeit des Reduits kurvt der steile und ausgewaschene Pfad schwierig und herausfordernd durch Erlenstauden hinunter, wird dann aber wieder ebener und gutmütiger. Wir sind froh, dass wir im Val Piana auf einen Fahrweg stossen und versuchen nun, zügig dem drohenden Regen zu entfliehen.

Ein weiteres Stück wilder Trail und dann erreichen wir die Alpe di Cistallina. Nun ist der Rat der Weisen gefragt: Sollen wir die 600 Höhenmeter ins unwegsame, dunkel verhangene Gebirge in Angriff nehmen, auch wenn jetzt schon erste feine Tropfen zu spüren sind? Wir schultern die Bikes und lassen uns nicht beirren.

Der Bergweg erweist sich als sehr mühsam und wir kommen langsamer vorwärts als uns lieb ist. Von der zerfallenen Alphütte im Val Torta steigt der Pfad steil an und trotz der Kälte bilden sich Schweissperlen auf der Stirn. Wir kämpfen, um Höhemeter und Zeit gegen den drohenden Regen zu gewinnen

Knapp unterhalb der Passhöhe machen wir bei der Militärbaracke Halt und mummen uns für die Abfahrt ein, denn in den Felsen über uns orgelt der eisige Wind. Nach wenigen Höhenmetern stehen wir dann, die Köpfe fast in den düsteren Regenwolken, auf dem Passo del Narèt und schauen hinunter zum finsteren Lago mit dem gleichen Namen.

Nach kurz gehaltenem Fotoshooting nehmen wir die Abfahrt, respektive den Abstieg in Angriff, denn der schwierige Pfad ist nur schwer befahrbar. Unten beim See treffen wir auf die Fahrstrasse. Bald beginnt eine rauschende Abfahrt auf dem asphaltierten Bergsträsschen hinunter durch das Valle Maggia. Dem Lago Sambucco entlang müssen wir gegen den Wind nochmals kräftig in die Pedale treten. Wir überqueren den Staudamm und gelangen auf einem alten im oberen Teil mit Steinen belegten Saumpfad hinunter nach Fusio.

Erste schwere Regentropfen klatschen auf den Helm. Bald prasselt der Regen in Strömen auf den Asphalt und unsere Schuhe sind schnell mit Wasser gefüllt. Kurz vor Broglio verlassen wir die Strasse und folgen für gut zwei Kilometer dem linksufrigen Weg. Dann ist wieder Asphalt angesagt bis nach Bignasco, wo der Regen ebenso plötzlich aufhört wie er angefangen hat. Der Himmel reisst auf und die warmen Sonnenstrahlen lassen das Nass auf den Strassen schnell verdampfen.

Ab Someo verlassen wir die Strasse und folgen dem Radweg, welcher über Nebensträsschen und Wege Tal auswärts führt, bis er bei Gordevio wieder in die Strasse mündet. Bei Ponte Brolla entscheiden wir uns aus Zeitgründen, bis Locarno der Strasse zu folgen. Ein Fehlentscheid, wie wir bald spüren. Die schmale Strasse ist sehr stark befahren und auf Biker wird kaum Rücksicht genommen. Hätten wir doch den Radweg auf der anderen Seite der Maggia gewählt!

Nach einigem Zick-Zack durch das Strassengewirr von Locarno fahren wir auf der Piazza ein. Wir saugen das südländische Ambiente auf und lassen uns den wohlverdienten Cappuccino schmecken. Endlich sind wir so richtig im Tessin angekommen.

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