mtb-GrenzTrail.ch 30 Caslano – Cernobbio

30

Caslano – Cernobbio

Grenztrailen im Mendrisiotto zum südlichsten Punkt der Schweiz

Diese abwechslungsreiche Tour führt vom Lago di Lugano auf historischen Militärwegen an Festungen der bekannten Cadorna-Festungslinie vorbei ins Medrisiotto. Hier geniessen wir im ständigen Auf und Ab die feinen Trails in Tuchfühlung mit der Landesgrenze und erreichen den südlichsten Grenzstein der Schweiz.


Daten

Kondition: anspruchsvoll

Distanz: 68 km

Höhendifferenz: ↑ 1870 hm, ↓ 1940 hm

Schieben/Tragen: ↑ 50 hm, ↓ 0 hm

Zeitbedarf: 7 Std.

Technik: mittel

Wegbeschaffenheit: Singletrails 25%, Wege 35%, Asphalt 40%


Beste Jahreszeit:
JanFebMärzAprilMaiJuniJuliAugSeptOktNovDez

Highlights: Trails zum Monte Piambello, viele Flowige Singletrails

Sehenswert: Südlichster Punkt der Schweiz


Einkehr: Restaurants in den Dörfern unterwegs, z.B. am See in Porto Ceresio

Übernachten: Hotel San Giuseppe, Cernobbio / Weitere Hotels im Cernobbio

Bilder

  • Zoll Ponte Tresa
    Zoll Ponte Tresa
  • Lavena, Cadorna Linie
    Lavena, Cadorna Linie
  • Aufstieg zum Piambello
    Aufstieg zum Piambello
  • Piambello
    Piambello
  • Piambello
    Piambello
  • Cavagnano
    Cavagnano
  • Porto Ceresio
    Porto Ceresio
  • Porto Ceresio
    Porto Ceresio
  • Beim Monte Casolo
    Beim Monte Casolo
  • Grenzstein 53
    Grenzstein 53
  • Vor Crocifisso
    Vor Crocifisso
  • Grenzpfad südlich von Stabio
    Grenzpfad südlich von Stabio
  • Aufstieg nach Pedrinate
    Aufstieg nach Pedrinate
  • Südlichster Punkt
    Südlichster Punkt

Karte

Bericht

Heute erwartet uns ein magisches Ziel. Nachdem wir schon den nördlichsten und den westlichsten Grenzstein angefahren haben, wollen wir heute den südlichsten Punkt der Schweiz erreichen. In Gegenrichtung zum morgendlichen Pendlerverkehr nach Lugano rollen wir auf der Strasse nach Ponte Tresa und überqueren die Tresa beim Zoll. Der Uferpromenade entlang geniessen wir die frische Ruhe.

Bald kämpfen wir auf dem rauen und zum Teil steilen Kriegspfad gegen die heimtückisch feuchte Pflästerung hinauf nach Ardena. Der Weg führt durch den Wald, entlang von verwachsenen Befestigungsanlagen und Schützengräben. Diese wurden während des ersten Weltkrieges im Rahmen der Cadorna Befestigungslinie südlich der Schweiz von den italienischen Truppen erstellt. Sie sollten einen allfälligen Angriff der deutschen Truppen von der Schweiz her abwehren.

Bequemer geht es dann auf Asphalt weiter nach Marzio. Ein gutmütiger Saumweg, der im letzten Teil zu einem veritablen verblockten Bachbett mutiert, weist uns den Weg zur Bocchetta dei Frati. In gemütlicher Steigung und auf meist feinem Grund kurbeln wir die fünf Kehren hoch durch den lichten Wald, bis wir auf dem Plateau des Monte Piambello stehen. Grundmauern erinnern an die einstige Festung, die jedoch nie in Kriegshandlungen verwickelt war. Das grandiose Panorama, getrübt einzig von einem fernen Wolkenkranz entschädigt die versprühten Schweisstropfen.

Wir sind uns bewusst, dass wir erst einen Bruchteil der heutigen Etappe zurückgelegt haben, also steigen wir in die Sättel und rücken den Helm zu recht für die rund 900 Höhenmeter Abfahrt nach Porto Ceresio. Über einen rauen Fahrweg mit einer kleinen Gegensteigung erreichen wir vor Cavignano die Asphaltstrasse. Nochmals schleifen die Bremsen die Serpentinen hinunter nach Cuasso und kurze Zeit später verzehren wir am Lido von Porto Ceresio heisshungrig eine Pizza XL.

Schwer drückt die Pizza im Magen, als wir auf dem gutmütigen Asphaltsträsschen den Wald hoch kurbeln und dann beim Übergang über den Rio Poncini in einen vielversprechenden Waldweg einbiegen. Nach Monte Casolo wird immer deutlicher, dass wir ausser den Wildschweinen seit sehr langer Zeit die ersten Kreaturen zu sein scheinen, welche diesen Weg begehen. Wir kämpfen uns über umgestürzte Bäume und stehen unverhofft vor einem zwei Mann hohen, soliden Maschendrahtzaun, davor ein Grenzstein und eine massive gusseiserne Tafel mit der Aufschrift „Svizzera 53“. Obwohl die Zahl mich an meinen Jahrgang erinnert, bin ich wenig erfreut über dieses Hindernis. Bald hellt sich die Laune wieder auf, denn wir können den Zaum umgehen.

Der Weg wird jedoch immer weniger passierbar und an Fahren ist oft nicht zu denken. Endlich, Licht fällt in den finstern Wald und wir werden bei Crocifisso wieder von der Zivilisation empfangen.

Auf Fahrwegen und Asphalt sind wir bald in Meride, wo wir in den Wanderweg nach Tremona abzweigen, der uns eine kurze und verblockte Schiebestrecke abverlangt. Nun geniessen wir die Tour auf sanften Wegen, manchmal durch kurze Asphaltstrecken unterbrochen, durch lichte Wäldchen und sonnenhungrige Rebberge zum Industriegebiet von Stabbio. Bald folgt ein lieblicher, erdiger Trail, immer den Grenzsteinen entlang. Bei Prella ist die Stimmung auf dem Tiefpunkt. Es ist schon fortgeschrittener Nachmittag, unser Ziel scheint noch in weiter Ferne und eine lähmende Müdigkeit hat sich im ständigen Auf und Ab des Weges in Körper und Geist eingeschlichen. Und es drängt sich wieder die Frage des Sinns und Unsinns unseres Unterfanges aus dem Unterbewussten ans Tageslicht. Die Antwort darauf ersparen wir uns.

Geläutert durch eine Tafel Schokolade und mental etwas gestärkt machen wir uns wieder auf den Weg, der nochmals mit rund 300 Höhenmetern zu Buche schlagen sollte. Nach Breschiano verlassen wir die Strasse und kämpfen uns einen mit Geröll gepflästerten, steilen Weg den Wald hoch. Nach Pedrinate zwingt uns der steile Wanderweg ab und zu aus dem Sattel. Dann führt uns endlich ein Fahrweg etwas sanfter ansteigend und zum Schluss sogar abwärts zum Grenzstein 75B, unserem Ziel, dem südlichsten Punkt der Schweiz.

Uns fehlt schlichtweg die Energie zum Feiern. Zudem versperrt uns ein rund vier Meter hoher Zaun aus Stahlstreben die geplante Route auf italienischem Hoheitsgebiet hinunter nach Chiasso. Wir suchen uns auf der Schweizer Seite den Weg durch den Wald und gelangen auf die Strasse, welche uns in letzten Kehren hinunter nach Chiasso mitten in den Feierabendverkehr führt.

Noch Fünf Kilometer sind es auf der vielbefahrenen Strasse, die immerhin leicht abwärts der Breggia entlang bis Cernobbio führt.

Später, bei einem Pino Gris und einem Aperitivhäppchen erholen wir uns wieder vom mentalen Tief und freuen uns auf die morgige Etappe.

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