mtb-GrenzTrail.ch 33 San Lucio – Mesocco

33

San Lucio – Mesocco

Unterwegs auf der Via del Ferro, auf Kriegspfaden und einem alten Bahntrassee

Die Etappe führt auf der historischen Via del Ferro hinauf zu den einstigen Stellungen auf dem Motto della Tappa, auf gut erhaltenen Kriegspfaden zum Passo San Jorio und dann hinunter ins Valle Mesolcina. Eine lange und herausfordernde Strecke in einer wilden Landschaft mit herrlichen Ausblicken.


Daten

Kondition: anspruchsvoll

Distanz: 70 km

Höhendifferenz: ↑ 2100 hm, ↓ 2850hm

Schieben/Tragen: ↑700 hm, ↓ 0 hm

Zeitbedarf: 7 Std.

Technik: anspruchsvoll

Wegbeschaffenheit: Singletrails 20%, Wege 20%, Asphalt 60%


Beste Jahreszeit:
JanFebMärzAprilMaiJuniJuliAugSeptOktNovDez

Highlights: Kriegspfad von der Botta di Sommafiume zum Giovo (Alta Via del Lario)

Sehenswert: Castello di Mesocco


Einkehr: Rifugio San Jorio / Capanna Gesero

Übernachten: Einzige Möglichkeit in Mesocco: Ristorante Bar Motto, Mesocco / Hotel Soazza in Soazza

Bilder

  • Abfahrt von San Lucio
    Abfahrt von San Lucio
  • Monti Pianca
    Monti Pianca
  • Monti Pianca
    Monti Pianca
  • Aufstieg zur Alpe Stabbiello
    Aufstieg zur Alpe Stabbiello
  • Am Motto della Tappa Pt. 1993
    Am Motto della Tappa Pt. 1993
  • Nördl. des Motto della Tappa
    Nördl. des Motto della Tappa
  • Btta Sommafiume
    Btta Sommafiume
  • Alta Via del Lario
    Alta Via del Lario
  • Gedenkstein
    Gedenkstein
  • Alta Via del Lario
    Alta Via del Lario
  • Rif. San Jorio
    Rif. San Jorio
  • Passo di San Jorio
    Passo di San Jorio
  • Zwischen Jorio und Biscia
    Zwischen Jorio und Biscia
  • Trail Richtung Biscia
    Trail Richtung Biscia
  • Abfahrt zum Rif. Gesero
    Abfahrt zum Rif. Gesero
  • Tunnel Cadolcia
    Tunnel Cadolcia
  • Trassee Ferrovia Bellinzona-Mesocco
    Trassee Ferrovia Bellinzona-Mesocco

Karte

Bericht

Das Kirchlein San Lucio wird von den ersten Sonnenstrahlen erleuchtet. Wir greifen beim Frühstück kräftig zu, um uns mit dem trockenen Weissbrot, das leicht an Karton erinnert, für die anstehenden Strapazen dieser Etappe zu wappnen. Neben uns versuchen drei Portugiesen ihre Kalorienspeicher zu füllen. Sie sind unterwegs auf der Alpentraversale von Wien nach Ventimiglia.

Bald brettern wir die ersten hundert Höhenmeter hinunter. Die Gänsehaut stammt nicht von der angenehmen Morgenwärme sondern vom anspruchsvollen Trail. Dann geht es auf dem schotterigen Zufahrtsweg weiter talwärts und bald biegen wir in die Asphaltstrasse ein, die uns gemütlich über Cavargna zum kleinen Bergdörflein Dosso führt.

Über dem Motto della Tappa steigen zaghaft die ersten Wölklein auf, während wir uns reichlich Sonnencreme einschmieren, uns mental auf die bevorstehenden 800 Höhenmeter Schieben einstimmen und vergebens nach einem Wegweiser suchen.

Wir wählen den schmalen Wiesentrampelpfad, der sich steil das Wiesenbord empor windet bis zu den verwahrlosten Gebäuden von Monti Baré. Ein verlorener zahnloser Hirte schaut uns entgeistert an, und auch sein Bergamasker schweigt vielsagend. Hinüber nach Monti Pianca führt ein gut fahrbarer neuerer Pfad.  Im Nachhinein wären wir besser von Dosso dem Fahrweg gefolgt bis Monti Collo und dann dem besseren Pfad über die Wiese hinauf nach Monti Pianca.

Anschliessend folgen wir dem gut erhaltenen Militärweg aus dem ersten Weltkrieg, auch bekannt als Via del Ferro. Diese diente noch im 18. Jahrhundert als Handelsweg und Verbindung der Eisenerzabbau- und Verarbeitungsorte Cavargna auf der iItalienischen Seite und Carena auf der Schweizer Seite. Cracks mit gut gepflegten Waden können sicherlich einen Teil dieses Weges hochkurbeln. Wir begnügen uns mit den flachen Abschnitten und ergeben uns demütig dem Bike-empor-schleppen. Der Weg ist sehr abwechslungsreich angelegt und bald schon halten wir bei der Alpe Stabbiello kurze Rast.

Nach weiteren 200 Höhenmetern können wir ein letztes Mal fast ohne Steigung dem Hang entlang fahren. Schon von weitem sehen wir die engen Kehren, mit welchen sich der Steig zum Pt. 1993 und weiter zum Motto della Tappa hinaufwindet. Wir wählen den nicht gekennzeichneten schmalen Wanderweg, welcher sich auf der Nordwestseite des Motto della Tappa abenteuerlich zur Btta di Sommafiume hinüberzeiht. Die 150 Höhenmeter zum Motto della Tappa schenken wir uns, denn schon vor Jahren hatten wir unsere Bikes von der anderen Seite auf diesen einst strategisch wichtigen Gipfel hinaufgeschleppt - und wieder hinunter.

Nun schlagen unsere Herzen höher. Auf dem einstigen Kriegsweg folgen wir für rund sieben Kilometer den steilen Wiesenhängen entlang bis zum Giovo. Praktisch alles fahrbar, aber mit zum Teil sehr strengen Steigungen. Unser Ziel, der Passo San Jorio, verbirgt sich unterdessen hinter Unheil verkündenden dunkeln Wolken.

Auch unsere Stimmung droht in Gewitter auszuarten, denn die Waden sind übersäuert und der Hunger lähmt unsere Motivation. Es ist schon gegen zwei Uhr und hinauf zum Rifugio San Jorio, wo wir uns einen Teller Spahetti erhoffen, sind es noch 250 Höhenmeter auf strengem Schotter. Endlich, bei Pasta und Cola erhellen sich unsere Gemüter wieder, denn wir wissen noch nicht, was uns in Kürze bevorsteht.

Auf dem Passo San Jorio überqueren wir die Grenze zur Schweiz und stossen durch die feuchten Regenwolken, die auf der Nordseite des Passes einigen Sonnenstrahlen Durchlass gewähren. Jetzt ahnen wir, dass wir die nächsten zwei bis drei Kilometer kaum im Sattel sitzen werden. Wir schleppen unser Bike auf einem verfallenen Militärweg aus dem ersten Weltkrieg über Felsstufen und Geröll bergan. Dieser wird bald besser, die Stützmauern sind hier noch erhalten. Immer wieder ist es möglich, kurze Strecken zu fahren, aber schon im Aufsteigen sehen wir den nächsten Block, der uns wieder aus dem Sattel zwingt. Ab und zu ist der Weg auch sehr schmal und der Blick senkrecht hinunter in den felsigen Abgrund zu unheimlich, um sich im Sattel zu halten.

Endlich erreichen wir Biscia. Hier preschen wir auf der gepflästerten Fahrstrasse hinunter und biegen in ein schmales Alpsträsschen ein, das uns zum Tunnel bei Cadolcia führt. Durch die Finsternis tastend erreichen wir bald das andere Portal, und ein weiter Blick hinunter ins Valle Mesolcina eröffnet sich uns. Es stehen uns rund 15 Kilometer und 1500 Höhenmeter Downhill auf dem schmalen Asphaltsträsschen bevor. Nur kurz vor Laura können wir kurz auf einen Waldweg abzweigen. Mit glühenden Scheiben stoppen wir beim ersten Brunnen in Roveredo, um uns zu erfrischen. Die Temperatur ist hier unten auf über dreissig Grad gestiegen.

Vor uns stehen noch rund 25 Kilometer und 500 Höhenmeter talaufwärts nach Mesocco. Nach einigem Suchen beim Portal des bald fertiggestellten Umfahrungstunnels entscheiden wir uns für die gekennzeichnete Veloroute, welche auf der östlichen Talseite auf verkehrsfreien Strässchen nordwärts führt.

Entschieden treten wir in die Pedale, um die Zeit aufzuholen, welche wir auf den unvorhergesehen langen Bike-Schlepp-Pfaden verloren haben. Des Asphalts überdrüssig überqueren wir vor Soazza Autobahn und Moesa und Klettern auf das Trassee der ehemaligen Ferrovia Bellinzona-Mesocco, welche von 1907 bis 1969 eine wichtige Verbindung vom Tessin ins Valle Mesolcina darstellte. Wir hätten bereits ab Cabbio der Bikeroute 640 auf dem Bahntrassee folgen können. Die letzten Kilometer kurbeln wir auf dem gut unterhaltenen Trasse dem bewaldetet Berghang entlang über Brücken und durch Tunnels, immer mit einer gleichbleibenden Steigung von 5% nach Mesocco, wo wir vor dem verfallenden ehemaligen Bahnhof abklatschen und uns umgehend auf die Suche machen nach einem kühlen Bier.

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