mtb-GrenzTrail.ch 34 Mesocco – Isola

34

Mesocco – Isola

Auf einem verwachsenen Schmugglersteig nach Italien

„Mehr Hike als Bike“ wäre die zutreffende Bezeichnung für diese Etappe. Eine arge Schlepperei auf einem schwierigen Bergpfad braucht eine sehr gute Kondition. Eine unberührte wilde Berglandschaft und ein rasanter Downhill sind der Lohn für den strapaziösen Aufstieg.


Daten

Kondition: anspruchsvoll bis schwierig

Distanz: 27 km

Höhendifferenz: ↑ 1750 hm ↓ 1250 hm

Schieben/Tragen: ↑ 1050 hm, ↓ 150 hm

Zeitbedarf: 5-6 Std

Technik: mittel

Wegbeschaffenheit: Singletrails 45% (fast alles schieben /tragen), Wege 20%, Asphalt 35%


Beste Jahreszeit:
JanFebMärzAprilMaiJuniJuliAugSeptOktNovDez

Highlights: Downhill nach Isola

Sehenswert: Landschaftlich sehr schöne, wilde und unberührte Landschaft, menschenleer.

Die gut restaurierten Räumlichkeiten im historischen Gebäude der Locanda Cardinello in Isola.


Einkehr: Keine Möglichkeit.

Übernachten: Albergo Mangusta  und Locanda Cardinello in Isola

Bilder

  • Auffahrt nach Pia San Giacomo
    Auffahrt nach Pia San Giacomo
  • Aufstieg zum Passo de Balniscio
    Aufstieg zum Passo de Balniscio
  • Scleppen zum Passo de Balniscio
    Scleppen zum Passo de Balniscio
  • Aufstieg zum Passo de Balniscio
    Aufstieg zum Passo de Balniscio
  • Aufstieg zum Passo de Balniscio
    Aufstieg zum Passo de Balniscio
  • Mühsame Schlepperei
    Mühsame Schlepperei
  • Wildromatisch, aber weglos
    Wildromatisch, aber weglos
  • Geht es noch weit?
    Geht es noch weit?
  • Grenze Serraglia
    Grenze Serraglia
  • Blick zum Passo de Balniscio
    Blick zum Passo de Balniscio
  • Passo de Balniscio
    Passo de Balniscio
  • Laghetto del Mot
    Laghetto del Mot
  • Abfahrt nach Borghetto
    Abfahrt nach Borghetto
  • Blick Rchtung Pass da Niemet
    Blick Rchtung Pass da Niemet
  • Isola
    Isola

Karte

Bericht

Die heutige Etappe beginnt in Mesocco mit einer gemächlichen Anwärmstrecke. Nach einem kurzen Stück Feldweg führt uns ein schmales asphaltiertes Strässchen in gemächlicher Steigung die gut 600 Höhenmeter hinauf zur Raststätte Pian San Giacomo an der N13. In der angenehm kühlen Morgenluft pedalen wir durch blühende Magerwiesen und lassen unser Blicke über das Tal und die beeindruckenden Kunstbauten der Autostrasse schweifen, die sich wie ein Lindwurm das Tal hochschlängelt.

Ein ganz idyllischer Morgen, ständen da nicht die gut 1000 Höhenmeter Bikeschleppen und -buckeln vor uns, auf einem kaum begangenen Pad, hinauf auf den Pass de Balniscio. In den Berichten im Internet wird der Aufstieg zum Pass von Bergwanderern als „abenteuerlich, sehr steil, anstrengend und verwuchert“ geschildert. Das lässt uns nicht abhalten von unserem Vorhaben und kurz nach der Raststätte zeigt uns die rot-weisse Markierung an, wo der Bergweg abzweigt.

Doch schon nach einer halben Stunde und nur gut 100 Höhenmetern machen wir Rast und beratschlagen zwischen umgestürzten Bäumen und Gestrüpp, ob wir die Route wie geplant fortsetzen oder über San Bernardino- und Splügenpass ausweichen wollen. Wir haben uns auf dem kaum begangenen Pfad den Bergwald hochgequält, über Stock und Stein, uns Wege gebahnt, die umgestürzten Bäume zu umgehen und den Weg gesucht durch hüfthohes Kraut und Brennnesseln in den Waldlichtungen. Wir befürchten, dass wir das nicht schaffen, wenn die Plackerei noch 900 Höhenmeter so weiter geht.

Doch wir geben nicht auf. Meter um Meter stapfen wir bergan. Das Bike drückt hart und schwer auf den Schultern. Alle 100 Meter machen wir Verschnaufpause. Als sich der Wald lichtet, begegnen uns die beiden Hirten von der Alpe de Balniscio auf ihrem Abstieg ins Tal. Sie schauen uns ungläubig an und der ältere kann sich die Frage nicht verkneifen, ob man denn hier biken könne. Wir kommen uns nun endgültig verquert vor und hoffen, unser Tun vor keinem Menschen mehr rechtfertigen zu müssen.

Die Steilstufen werden immer steiler und der felsige Weg immer felsiger. Endlich, wir haben unser erstes Etappenziel erreicht: Eine Ebene auf 2065 m.ü.M. Wir sind schon recht ausgepustet und merken, dass wir uns auch mit der ausgedehnten Rast kaum erholen können. Aufgrund des Kartenbildes hoffen wir auf flacheres Gelände, wo wir das Bike wenigstens schieben können. Wir werden aber arg enttäuscht. Nach nur kurzen flachen Abschnitten schleppen wir unser Bike immer wieder über steile Felsstufen und Blockfelder.

Wäre da nicht das unbequeme Gepäck, wir könnten uns freuen und kaum satt sehen an dieser wilden, menschenverlassenen Gegend. Das Rauschen des kristallklaren Ri de Seda ist unser ständiger Begleiter und immer wieder spiegelt sich das Blau des Himmels in kleinen Wannen. Heiss genug wäre es für ein kühlendes Bad, doch die Zeit rennt uns davon. Endlich das nächste Etappenziel: Wir sind beim Grenzstein 15 angekommen und lassen uns erschöpft auf den letzten Meter heimatlichen Bodens sinken. Sorgfältig träufeln wir den letzten Schluck Wasser in die ausgetrocknete Kehle und knabbern am letzten Energierigel, während wir für kurze Zeit auf dem harten Rasenteppich liegen.

Der Weg wird nun viel flacher und angenehmer zum Schieben und bald stehen wir auf dem Passo de Baliscio. Zum Glück ist der beleibte Italiener mit seinem Hund von der anderen Seite her zum Pass hoch gestiegen, und kommt nicht auf die Idee uns die erwarteten Fragen zu stellen. Genug, dass wir unsere eigenen Zweifel am Sinn und Zweck unseres Unterfangens wieder einmal unterdrücken mussten. Der herrliche Ausblick auf die andere Passseite mit dem tiefblauen Bergsee lässt unsere Stimmung mindestens geringfügig anheben.

Der Weg führt nun zum Teil fahrbar ein Stück hinunter zu einem zweiten malerischen See, dem Lago Grande. Die folgenden 300 Höhenmeter Singletrail sind für uns etwa zu einem Viertel fahrbar, denn sie erfordern höchste Konzentration und Reaktionsvermögen. Beides ist durch unsere Müdigkeit jedoch eingeschränkt. Bald jedoch erreichen wir Borghetto, füllen unsere Bidons mit herrlich frischem Brunnenwasser und folgen dann der rauen Fahrstrasse knappe 100 Höhenmeter hinauf zur Alpe die Piani. Nun stehen 800 Höhenmeter Downhill bevor.

Doch vorher machen wir den Teil unserer morgigen Etappe auf der gegenüberliegenden Talseite aus, der sich gut sichtbar vom Lago di Monte Spluga zum Rifugio Bertacchi und weiter zum Pass da Niemet verfolgen lässt.

Nun fordert die grobe Piste unsere volle Aufmerksamkeit, wird nachher feiner und stellenweise auch asphaltiert. Wir stürzen uns in zwanzig Kehren hinunter nach Isola, einem Bier entgegen. Bald schimmert tief unter uns der Lago d’Isola blau im Abendlicht und bald sitzen wir auf der Terrasse der Pensione Mangusta bei einem Panché und Salzgebäck. Und wir legen endlich die lange mit uns herumgeschleppte Antwort auf den Gartentisch: Das heute war weit davon entfernt, Biketour genannt werden zu können. Aber eine Portion bescheidenen Stolz auf unsere physische und psychische Leistung erlauben wir uns doch zuzugestehen.

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34a Mesocco - Splügen

Auf Säumerwegen über den San Bernardino

 

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