mtb-GrenzTrail.ch 38 Poschiavo – Tirano

38

Poschiavo - Tirano

Auf Kriegspfaden ins Veltlin

Eine der lohnendsten Touren in dieser Region! Nach einem gemächlichen Aufstieg verfallen wir ins Trailfieber: 1880 Höhenmeter bester Downhill auf erdigen Trails und ruppigen Saumpfaden.


Daten

Kondition: mittel

Distanz: 42 km

Höhendifferenz: ↑ 1600 hm, hm, ↓ 2170 hm

Schieben/Tragen: ↑ 50 hm, ↓ 50 hm

Zeitbedarf: 4 ½ - 5 Std.

Technik: mittel bis anspruchsvoll

Wegbeschaffenheit: Singletrails 35%, Wege 25%, Asphalt 40%


Beste Jahreszeit:
JanFebMärzAprilMaiJuniJuliAugSeptOktNovDez

Highlights: Downhill nach Tirano

Sehenswert: Lago di Poschiavo / Altstadt von Tirano


Einkehr: Unterwegs keine Möglichkeiten

Übernachten: Verschiedene Hotels in Tirano

Bilder

  • Bei Le Prese
    Bei Le Prese
  • Lago di Poschiavo
    Lago di Poschiavo
  • Aufstieg nach Cavaione, Blick nach Viano
    Aufstieg nach Cavaione, Blick nach Viano
  • Vor Cavaione, Blick nach Tirano
    Vor Cavaione, Blick nach Tirano
  • Cavaione
    Cavaione
  • Rif. Anzana
    Rif. Anzana
  • Aufstieg zum Col d'Anzana
    Aufstieg zum Col d'Anzana
  • Col d'Anzana
    Col d'Anzana
  • Col d'Anzana
    Col d'Anzana
  • Höhenweg am Fil da Salarsa
    Höhenweg am Fil da Salarsa
  • Militärweg vor Lughina
    Militärweg vor Lughina
  • Blick vom Sasso Lughina nach Brusio
    Blick vom Sasso Lughina nach Brusio
  • Abfahrt nach Tirano
    Abfahrt nach Tirano

Karte

Bericht

Der heutige Tag beginnt gemächlich und beschaulich. Auf einer Nebenstrasse erreichen wir Li Curt und zweigen dort auf den Pfad ab, der uns auf dem Damm des Poschiavino nach Le Prese führt. Dann folgt eine malerische Strecke auf der zum Wanderweg umfunktionierten alten Strasse entlang dem Seeufer. Bei Miralago werfen wir nochmals einen Blick hinauf in den Talkessel von Poschiavo, bevor wir auf der Hauptstrasse nach Brusio hinunterpreschen. Wir sind froh, dass wir bei der Kirche auf einen Feldweg abbiegen können.

Vorbei am bekannten Kehrviadukt erreichen wir das Asphaltsträsschen, das nach Cavaione hinaufführt. Nun ist Fleissarbeit angesagt: Die gut 800 Höhenmeter kurbeln wir in flüssigem Tempo hinauf, und unerwartet bald tauchen die ersten Häuser des langgezogenen Bergdorfes Cavaione auf. Abgeschieden thront es wie ein Adlernest auf 1300 Metern über Meer am Wiesenhang mit Blick ins Veltlin. Erst 1958 leuchtete in Cavaione die erst elektrische Glühbirne und 1964 wurde die Zufahrtsstrasse von Campascio herauf erstellt. Von 1797, als sich das Veltlin von den drei rätischen Bünden löste, bis 1863 nach der definitiven Grenzziehung zwischen Italien und der Schweiz, waren die Cavaionese keinem Staat zugehörig, weil man dieses abgelegene Gebiet bei der Grenzziehung schlichtweg vergessen hatte. Die Bewohner nutzten diesen Zustand, sie zahlten keinem Staat Steuern, leisteten keinen Militärdienst und lebten nach den eigenen Gesetzen.

In der Kurve bei Bastian biegen wir in den Alpweg ein, der gemächlich ansteigend zur Alp Pescia Bassa führt. Kurz vor dem Alpgebäude klatschen die ersten Regentopfen auf unsere Helme und wir suchen Unterstand beim Alpgehöft. Der Senn bietet uns Getränke an, und wir sind froh, den kurzen Regenschauer im Trockenen verbringen zu können.

Die schwarzen Wolken verziehen sich langsam wieder, und wir nehmen den weiteren Aufstieg in Angriff. Noch sind es knappe 200 Höhenmeter bis zum Ende der Alpstrasse. Kurz von Pescia Alta zweigen wir in den Wanderweg zum Col d’Anzana ab. Der Pfad ist gut ausgebaut und auf weite Strecken fahrbar, wenn auch teils mit grossem Kraftaufwand. Bald stehen wir oben auf dem Pass an der Grenze zu Italien und geniessen den weiten Blick über das obere Veltlin.

Wir sind gespannt auf die Abfahrt, haben wir sie doch nur noch in vager Erinnerung vom ersten Besuch vor gut zehn Jahren. Die ersten paar Meter sind recht ruppig, dann zieht sich ein lauschiger Trail dem Hang entlang, meist leicht abfallend und angenehm zum Fahren. Immer wieder saugen wir die geniale Aussicht in uns auf. Bald wird das Gelänge steiler und der Saumpfad mit seiner groben Pflästerung rauer. Nach einigen Serpentinen erreichen wir die Waldlichtung von Frantalone. Nun geht es ernsthaft zur Sache: In mehr als zwanzig engen Serpentinen windet sich der Pfad den steilen Wald hinunter nach Lughina. Ein ungeahnter Fahrspass!

Ab hier könnten wir als Alternative auf dem Forstweg abfahren. Wir entscheiden uns für den Saumweg aus dem ersten Weltkrieg und werden sowohl belohnt als auch gefordert. Der Weg wird sehr steil, die Pflästerung sehr rau und die Steine feucht und schmierig. Mit höchster Konzentration und den letzten technischen Kniffs führen wir das Reifenprofil auf der geeignetsten Linie abwärts. Nach einem ersten harmlosen Sturz werden wir vorsichtiger und steigen auch mal aus den Pedalen, wenn unsere fahrtechnischen Grenzen erreicht sind.

Nach einer letzten steilen Serpentine stehen wir unverhofft auf einem Asphaltsträsschen, das durch die Rebberge hinunter führt auf die verkehrsreiche Strasse nach Madonna di Tirano. Wir sind durstig und durchgerüttelt und verzichten deshalb auf eine Besichtigung der monumentalen Wallfahrtskirche aus dem frühen 16. Jahrhundert mit der bedeutenden frühbarocken Ausstattung.

Ein lauschiges Gartencaffe lädt uns zum Geniessen und Erholen ein. Wir stossen mit einem prickelnd kühlen Panaché an auf diese interessante Tour mit ihrem einfachen Aufstieg und der herausfordernden Abfahrt.

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