mtb-GrenzTrail.ch 44 Scuol – Klosters

44

Scuol - Klosters

Vom sonnenverwöhnten Unterengadin ins oberste Prättigau

Flurwege und feinste Trails dem Sonnenhang des Unterengadins entlang bieten vollen Bikegenuss. Die anschliessende Überquerung hoch über dem Vereinatunnel wird zu einer veritablen Herausforderung.


Daten

Kondition: mittel bis anspruchsvoll

Distanz: 57 km

Höhendifferenz: ↑ 1800 hm, ↓ 1850 hm

Schieben/Tragen: ↑ 300 hm, ↓ 250 hm

Zeitbedarf: 6 Std.

Technik: : anspruchsvolle Singletrails, gut fahrbare Alp- und Forstwege

Wegbeschaffenheit: Singletrails 30%, Wege 50%, Asphalt 20%


Beste Jahreszeit:
JanFebMärzAprilMaiJuniJuliAugSeptOktNovDez

Highlights: Trail zwischen Ftan und Ardez / Trail durch das Süsertal / Downhill vom Vereina Berghaus

Sehenswert: Guarda / Bergseen auf dem Flesspass


Einkehr: Guarda / Susch / Berghaus Vereina / Alp Untersäss, Garfiun

Übernachten: Verschiedene Hotels in Klosters

Bilder

  • Höhenweg Scuol - Ftan
    Höhenweg Scuol - Ftan
  • Ftan
    Ftan
  • Vor Bos-cha
    Vor Bos-cha
  • Ruina Chanoua
    Ruina Chanoua
  • Oberhalb Ardez
    Oberhalb Ardez
  • Nach Ardez, Valdez
    Nach Ardez, Valdez
  • Vor Guarda
    Vor Guarda
  • Vor dem Flesspass
    Vor dem Flesspass
  • Alp Fless Dadaint
    Alp Fless Dadaint
  • Flesspass
    Flesspass
  • Abstieg vom Flesspass
    Abstieg vom Flesspass
  • Süsertal mit Pischahorn
    Süsertal mit Pischahorn
  • Süsertal
    Süsertal
  • Süsertal im unteren Teil
    Süsertal im unteren Teil
  • Berghaus Vereina
    Berghaus Vereina

Karte

Bericht

Schon verzaubern die ersten Sonnenstrahlen die Berggrate am Piz Lischana mit goldenem Licht, während wir wie gewohnt den Reifendruck prüfen, Helm und Brille aufsetzen und dann beherzt in die Pedale treten. Von Scuol bis Susch folgen wir einer einfachen aber sehr abwechslungsreichen Route, welche wir von früheren Touren im Unterengadin kennen. Noch nicht ganz ausgeschlafen pedalen wir wortlos hinter dem Bahnhof das Kiessträsschen hinauf. Nach drei Kehren führt der Weg gemächlich ansteigend hinüber nach Ftan Pitschen.

Immer wieder fangen wir die herrliche Aussicht ein. Bunt blühende Bergwiesen begleiten uns, alles stimmt an diesem Aufstieg. In Ftan Pitschen lassen wir es uns nicht nehmen, in der Konditorei die leckeren Mandelgipfel zu kaufen. Genüsslich verzehren wir sie am plätschernden Brunnen. Nach Ftan-Grond zweigen wir von der Strasse nach rechts in einen Feldweg ab, der uns zu einem versteckten Trail führt. Hoch über der Strasse zieht sich der feinste Single dahin bis hinein ins Val Tasna. Wir überqueren den tosenden Bach und folgen dem Trail, einem alten Alpweg, bis kurz vor Ardez.

Von der Ruine der mittelalterlichen Sust Chanoua erreichen wir auf dem Flurweg Pradasura. Wir steigen dann den Wiesenpfad hoch und queren auf einem schattigen Trail das Valdez. Zum Teil ist Schieben angesagt. Auf der anderen Talseite gleiten wir auf dem erdigen Trail durch Blumenwiesen und Lärchenwald und stehen bald in mitten der vornehmen Häusergruppe von Bos-cha. Den Asphalt lassen wir rechts liegen und brettern den Wiesenpfad hinunter, um zuerst kurz steil aufwärts und schiebend und dann gemütlich auf dem Saumweg Guarda zu erreichen. Wieder einmal staunen wir über die urig-liebliche Atmosphäre, welche die stattlichen mit Scraffiti geschmückten Hauser und die Brunnen an den gepflasterten Plätzen ausstrahlen.

Wir folgen nun in umgekehrter Richtung der Nationalpark-Marathon-Strecke bis nach Susch. Inzwischen steht die Sonne fast im Zenit und auch unser Appetit hat seinen Höhepunkt erreicht. Mit einem gewaltigen Teller würziger Spaghetti füllen wir unsere Energievorräte nach.

Schwer drückt die Tomatensauce im Magen, als wir uns bei stechender Sonnenhitze und im sommerlichen Ausflugsverkehr die Passstrasse hochmühen. Wieder einmal einige unliebsame Kilometer und Höhenmeter, die wir der Kategorie „Zum Vergessen“ zuordnen. Sehnlichst erwarten wir die Abzweigung des Alpwegs ins Va Fless, um dem flimmernden Asphalt und dem Verkehr entfliehen zu können. Steiler als auf der Karte geschätzt windet sich der Fahrweg den Wald hoch. Wir kämpfen.

Nach der Alp Fless Dadora öffnet sich das weite Tal und der Weg wird flacher. Er ist jedoch so rau mit Steinbrocken gepflästert, dass Schieben oft bedeutend weniger Kraft beansprucht als Fahren. Ab der Alp Fless Dadaint werden wir gänzlich zu Fussgängern und schieben praktisch die ganze Strecke hoch zum Flesspass, gute 300 Höhenmeter auf vier Kilometer. Der Weg durch das Val Torta ist stark verblockt, und manchmal lassen nur die rot-weissen Markierungen erkennen, dass hier ein Weg durchführt. Der Aufstieg setzt uns recht zu, und wir sind überglücklich, als wir beim Seelein auf der Passhöhe anlangen, in dessen kristallklarem Wasser sich die weissen Wolkenberge spiegeln und unter dem in rund tausend Metern Tiefe die Rhätische Bahn durch den Vereinatunnel rauscht.

Für den Abstieg lässt das Kartenbild im obersten Teil nichts Gutes erahnen – in der Realität entpuppt sich diese Stelle jedoch als noch schlimmer. Ein rutschiger Schotterpfad zwängt sich zwischen dem bedrohlich rauschenden Bach und der Felswand durch den Einschnitt. Vorsichtig, Schritt um Schritt bewältigen wir das Hindernis. Später wird der Trail flacher, zieht sich durch das weite Süsertal hinaus und ist zu zwei Dritteln fahrbar. Ab der Brücke bei Pt. 2069 wird der Trail gutmütiger und bietet Genuss und einige knifflige Stellen. Endlich, viel später und müder als erwartet, erreichen wir den Talboden beim Berghaus Vereina.

Wir stimmen uns mental auf den bevorstehenden Downhill ein. Das Strässchen, teilweise asphaltiert, führt in abenteuerlichen Kurven steil durch die wilde Schlucht hinunter nach Novai. Wir dosieren sachte die rasende Fahrt, machen nur kurz Halt, um das eindrückliche Schauspiel eines tosenden Wasserfalls zu geniessen und die Finger auszuschütteln.

Ab Novai treten wir nochmals kräftig in die Pedalen. Wir flitzen der Piste, im Winter eine Langlaufloipe, auf der rechten Seite der Landquart entlang. Erst beim Bad verlangsamen wir unseren Spurt, weil Spaziergänger den ganzen Weg belegen. Wie oft waren wir schon in Klosters. Heute jedoch erhält dieser Touristenort für uns ein besonderes Prädikat: Etappenort auf dem „Grenztrail Schweiz“.

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