mtb-GrenzTrail.ch 45 Klosters – St. Antönien

45

Klosters – St. Antönien

Über wilde Gebirgspfade mit einem Abstecher nach Österreich

Diese Etappe auf den verblockten Pfaden über das Schlappiner Joch und das Gafier Joch ist eine Herausforderung an Kondition und Technik. Angenehme Forststrassen und feine Trails in der wilden Bergwelt wiegen die Mühen aber auf.


Daten

Kondition: anspruchsvoll

Distanz: 40 km

Höhendifferenz: ↑ 2180 hm, ↓ 1900 hm

Schieben/Tragen: ↑ 500 hm, ↓ 600 hm

Zeitbedarf: 5 ¾ Std.

Technik: schwierig

Wegbeschaffenheit: Singletrails 20%, Wege 70%, Asphalt 10%


Beste Jahreszeit:
JanFebMärzAprilMaiJuniJuliAugSeptOktNovDez

Highlights: Trail durch das Gafiertal hinaus


Einkehr: Madrisa / Obwaldhütte im Aufstieg zum Schafberg / Bergrestaurant Schafberg Hüsli

Übernachten: St. Antönien Rüti: Hotel Büel / St. Antönien:  Hotel Rhätia

Bilder

  • Aufsieg zur Madrisa
    Aufsieg zur Madrisa
  • Nach dem Zügerhüttli
    Nach dem Zügerhüttli
  • Aufstieg zum Schappiner Joch
    Aufstieg zum Schappiner Joch
  • Blick hinunter nach Schlappin
    Blick hinunter nach Schlappin
  • Die letzten Meter zum Schlappiner Joch
    Die letzten Meter zum Schlappiner Joch
  • Schlappiner Joch
    Schlappiner Joch
  • Schlappiner Joch
    Schlappiner Joch
  • Schlappiner Joch, Blick hinunter zur Valzifenzalp
    Schlappiner Joch, Blick hinunter zur Valzifenzalp
  • Aufstieg zum Schafberg Blick gegen Schlppiner Joch
    Aufstieg zum Schafberg Blick gegen Schlppiner Joch
  • Aufstieg zum Schafberg
    Aufstieg zum Schafberg
  • Aufstieg gegen das Gafier Joch
    Aufstieg gegen das Gafier Joch
  • Am Gafierjoch
    Am Gafierjoch
  • Gafier Joch
    Gafier Joch
  • Gafier Joch , Blick zurück zum Schafberg
    Gafier Joch , Blick zurück zum Schafberg
  • Gafierjoch, Blick ins Gafia
    Gafierjoch, Blick ins Gafia
  • Gafier Joch
    Gafier Joch
  • Gafierjoch, Abstieg ins Gafia
    Gafierjoch, Abstieg ins Gafia
  • Gafierjoch, Abstieg ins Gafia
    Gafierjoch, Abstieg ins Gafia
  • Gafierjoch, Abstieg ins Gafia
    Gafierjoch, Abstieg ins Gafia
  • Gafier Tal
    Gafier Tal
  • Blick zurück zum Gafier Joch
    Blick zurück zum Gafier Joch
  • Das Gafiertal auswärts
    Das Gafiertal auswärts

Karte

Bericht

Ein stahlblauer, wolkenloser Himmel wölbt sich über die Madrisa. Um die 550 Höhenmeter Schieben und Tragen von Schlappin auf das Schlappiner Joch zu vermeiden, wählen wir eine vermeintlich bessere Route.

Die noch frische Morgenluft säuselt in den Ohren, als wir auf dem guten Feldweg Tal auswärts gleiten. Nach einer ersten kurzen aber mühsamen Schlepperei auf einem steilen Wanderweg erreichen wir die Hauptstrasse, wo die asphaltierte Fahrstrasse abzweigt. In angenehmer Steigung erreichen wir bald die Abzweigung bei Ragoz. Auf dem Forstweg kurbeln wir weiter aufwärts durch den Bergwald bis zur Waldgrenze, welche von Kranen, Betonmischern und Baulärm dominiert wird: Auf Madrisa wird wacker gebaut. Wir fliehen vor dem Baulärm weiter hinauf und halten erst bei der Alp Untersäss Rast.

Bis zum Zügerhüttli ist der Alpweg gut fahrbar, wir müssen aber auf die Zähne beissen, um die steilen Rampen zu meistern. Ein lieblicher Trail zweigt beim Zügerhüttli ab und wir schwingen uns in den Sattel, in der Hoffnung, dass sich der grosse Teil des Höhenweges zum Schlappinjoch so gutmütig präsentieren würde. Schnell werden wir eines andern belehrt. Der Weg wird verblockt und die meiste Zeit schieben und tragen wir unser Bike über gute drei Kilometer.

Endlich sind wir am Ziel und werfen zu allererst einen prüfenden Blick auf den Weg hinunter zur Ober Valzifenzalp auf der österreichischen Seite des Schlappin Jochs. Was wir sehen, verspricht nichts Gutes. Nur die obersten Meter scheinen fahrbar.

Die Müdigkeit hat sich inzwischen in die Knochen geschlichen. Wir suchen uns ein Plätzchen abseits der Wandergruppen, welche den Übergang belagern und verzehren schweigend unsere Brötchen. Schon Während der Bronzezeit hatten sich hier wohl Menschen vom beschwerlichen Aufstieg erholt, wie die hier gefundenen Werkzeuge und Waffen vermuten lassen. Im Mittelalter führte der kürzeste und vielbegangene Säumerweg vom Bodensee zum Comersee  über diesen Pass. Während des zweiten Weltkrieges wurde der strategisch exponierte Übergang gegen einen möglichen Infanterieangriff aus dem Gargellental mit Maschinengewehrstellungen in Felskavernen gesichert.

Zurück in der Gegenwart sehen wir uns bald lustlos die Bikes den steilen und verblockten Wanderweg hinunterschleppen. An fahren ist nicht zu denken. Vor dem Punkt 1985 zweigt ein unscheinbarer Pfad durch die Stauden ab. Irene wählt in guter Vorahnung diesen Weg. Es zeigt sich, dass er bald breiter und auf weite Strecken fahrbar wird, wenn auch technisch anspruchsvoll. Ich jedoch folge dem markierten Wanderweg, in der Hoffnung, dass das Schleppen nicht bis zum Talesgrund weiter gehen könne. Fehlanzeige! Ich kann nur wenige Stellen fahren und nehme mir vor, das nächste Mal solche Varianten genauer zu mustern.

Ein schönes Fahrsträsschen hinunter nach Vergalda lädt uns ein, uns im Sattel etwas zu erholen. Bei den ersten Häusern füllen wir unsere Bidons, denn es erwarten uns nochmals rund 900 Höhenmeter Aufstieg zum Gafier Joch.

Inzwischen brennt die Nachmittagssonne im Nacken und der Schweiss in den Augen. Wir kämpfen uns die breite staubige Piste hoch zum Schafberg, immer auf der Hut, dass uns die Dreiradpiloten nicht über den Haufen fahren, welche den Weg hinunterpreschen und sich mit der Sesselbahn wieder hochgondeln lassen.
Die Obwaldhütte können wir wirklich nicht links liegen lassen, denn Durst nach mehr als nur Wasser und Hunger plagen uns. Der feine, grosszügig bemessene Marillenkuchen schafft fürs erste schnelle Abhilfe.

Bis zum Schafbergsee ist die Piste gut fahrbar und der Kuchen verdaut. Danach schaffen wir es anfänglich, auf dem Wanderweg zu fahren, dann zwingt uns der verblockte Pfad aus dem Sattel. Wieder einmal schultern wir die Bikes und schleppen sie den steilen Weg hinauf zum Gafier Joch. Ein grob behauener Grenzstein zeigt uns an, dass wir uns wieder auf eidgenössischem Hoheitsgebiet bewegen. Wir futtern die letzten Riegel, in der Vorahnung, dass der Abstieg noch einiges an Energie kosten würde.

Und es wird schlimmer, als wir je erwartet hätten. Der Weg zirkelt in steilen Windungen den Abhang hinunter. Es ist schwierig, das Bike zu tragen und die Bikeschuhe finden auf dem erdigen und schotterigen Untergrund kaum Halt. Zwei Stellen sind mit Seilen gesichert. Dies hilft uns, das Gleichgewicht besser zu halten. Nach etwa hundert Höhenmetern wird der Berghang etwas weniger steil. Anstatt dem Bergpfad in weitem Bogen weiter zu folgen, wählen wir die Direttissima die Geröllhalde hinunter, wohl wissend, wie der scharfe Kalk unseren Schuhen zusetzen würde.

Nach weiteren 200 Höhenmetern tragen, schieben und zum Teil fahren erreichen wir den groben Alpweg und donnern hinunter zum idyllischen Sunnistafel mit seinen sonnenverbrannten Walserhäusern. Wir meiden die Fahrstrasse und geniessen als Leckerbissen den lieblichen Trail, welcher auf der rechten Talseite und später links vom Gafierbach hinaus nach St. Antönien Rüti führt.

Ziemlich erschöpft lassen wir uns auf das weisse Bettlaken im Wellnesshotel Büel sinken und atmen zuerst einmal kräftig durch, froh, die heutige Plackerei hinter uns zu haben.

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